Die Rede von Riccardo Grandi auf dem StrongFirst-Gipfel von Strength 2026
Am 31. Januar und 1. Februar 2026 trafen sich in Cesena Trainer, Athletiktrainer und Kraftsportler aus der ganzen Welt zum StrongFirst Summit of Strength 2026: eine internationale Veranstaltung, die der Kraftkultur, der Trainingsplanung und der Entwicklung der sportlichen Leistung gewidmet ist.
In einem Kontext, in dem fortschrittliche Methoden, Modelle und Ansätze für die körperliche Vorbereitung offen zur Sprache kamen, war eine der anregendsten Reden die von Riccardo Grandi, dem Gründer der SBB-Trainingsschule.
Das Thema ist ebenso einfach wie umstritten:
sind kraft und hypertrophie wirklich zwei verschiedene welten?
Das Problem ist nicht die Wissenschaft, sondern wie wir sie lesen
Grandi geht in seiner Rede von einer klaren Feststellung aus: Die heutige Debatte über die Ausbildung wird zunehmend von Vereinfachungen beeinflusst.
Phrasen wie:
- “Kraft ist für Hypertrophie nicht erforderlich.”
- “Keine Schlägereien mehr”
- “Die Grundlagen sind überholt”
beruhen nicht auf falschen Daten, sondern auf unvollständigen Interpretationen der wissenschaftlichen Literatur.
In den letzten Jahren haben zahlreiche Studien in der Tat gezeigt, dass bei gleicher Belastung nahe dem Versagen auch relativ geringe Belastungen hypertrophe Anpassungen hervorrufen können, die mit denen vergleichbar sind, die bei hohen Belastungen erzielt werden. Der Übergang von “möglich” zu “gleichwertig” ist jedoch alles andere als offensichtlich.
Und genau das ist der zentrale Punkt:
Wissenschaft darf nicht vereinfacht werden, sie muss verstanden werden.
In seinem Vortrag stellt Grandi das in Frage, was man als “schnelle Synthese-Drift” bezeichnen könnte: die Verwendung von Studien und Meta-Analysen als absolute Wahrheiten, ohne den Kontext, die Grenzen und die tatsächliche Anwendbarkeit zu berücksichtigen.
Rekrutierung bedeutet nicht Stimulierung
Eine der wichtigsten Passagen betrifft das Konzept der Rekrutierung motorischer Einheiten.
Es stimmt, dass die Arbeit nahe am Zusammenbruch, selbst bei leichten Lasten, motorische Einheiten mit hoher Schwelle erfordert.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Anreiz gleichwertig ist.
Hier wird ein grundlegender Unterschied deutlich:
Rekrutierung ≠ Qualität des Stimulus
Training mit hohen Belastungen bedeutet:
- zuerst die hochschwelligen motorischen Einheiten aktivieren
- Arbeiten unter günstigeren mechanischen Bedingungen
- Aufrechterhaltung einer höheren Ausführungsqualität
Im Gegenteil, das Durchhängen mit leichten Lasten führt zwar zu einer Rekrutierung, aber:
- unter hohen Ermüdungsbedingungen
- für einen begrenzteren Zeitraum
- mit einer zunehmenden Verschlechterung der mechanischen Qualität der Geste
Ein konkretes Beispiel
Nehmen Sie eine Kniebeuge mit hoher Belastung: Die hochschwelligen motorischen Einheiten sind von den ersten Wiederholungen an beteiligt und arbeiten mit hoher Spannung und einer noch stabilen Technik.
In einer leicht belasteten Serie, die bis zum Scheitern geführt wird, werden zwar dieselben Einheiten rekrutiert, aber erst in den letzten Wiederholungen, wenn die Ermüdung bereits sehr hoch ist und die Qualität der Bewegung unweigerlich abnimmt.
Das Ergebnis?
Nicht alles, was rekrutiert wird, wird auf dieselbe Weise stimuliert.
Das Volumen ist entscheidend. Aber es ist nicht genug.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Rolle des Volumens.
Die jüngste Literatur zeigt eindeutig eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Volumen und Hypertrophie: mehr Trainingsserien, innerhalb bestimmter Grenzen, neigen dazu, mehr Anpassungen zu erzeugen.
Aber auch hier mahnt Grandi, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.
Denn es geht nicht nur darum, wie viel man macht, sondern:
- wie viel Sie über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können
- mit welcher Qualität
- um welche Spanne der Progression
Und hier kommt die Gewalt in entscheidender Weise ins Spiel.
Kraft ist keine Alternative zum Volumen. Sie ist es, die das Volumen nachhaltig, effektiv und progressiv macht.
Ohne eine Basis der Stärke:
- die relative Belastung wird gesenkt
- die Qualität des Reizes nimmt ab
- die Fähigkeit zur Progression wird reduziert
Mit anderen Worten: Volumen baut zwar Muskelmasse auf, aber es ist die Kraft, die diesem Volumen auf lange Sicht Struktur verleiht.
Zurück zu den Grundlagen, mit einer weiterentwickelten Vision
Der methodologische Vorschlag, der sich aus der Intervention ergab, ist klar:
nicht zwischen Kraft und Hypertrophie wählen, sondern sie in ein kohärentes System integrieren.
Ein System, das:
- verwendet große motorische Muster als Grundlage
- organisiert die Arbeit nach Intensitätsstufen
- verteilt die Last auf mehrere Frequenzen
- integriert ergänzende Übungen, ohne den strukturellen Fokus zu verlieren
Es geht nicht darum, in die Vergangenheit zurückzukehren, sondern darum, das, was funktioniert, in eine moderne und bewusste Vision zu bringen.
Die wahre Entwicklung besteht nicht darin, die Grundlagen zu beseitigen, sondern zu wissen, wie man sie besser nutzen kann.
Eine Botschaft, die über die Ausbildung hinausgeht
Was diese Intervention besonders relevant macht, ist nicht nur der technische Inhalt, sondern auch die kulturelle Botschaft.
In einem Wirtschaftszweig, der zunehmend Modeströmungen, Abkürzungen und Polarisierungen unterworfen ist, ist die Forderung klar:
Besser zu trainieren bedeutet in erster Linie, besser zu denken.
Und das ist genau die Art von Ansatz, den Veranstaltungen wie der Gipfel der Stärke fördern wollen: nicht nur die Aktualisierung, sondern die Weiterentwicklung des Denkens.
SIDEA: Forschung, Methode, Vision
Die Rolle von SIDEA passt natürlich in diesen Kontext.
Die Teilnahme am Gipfeltreffen bedeutet nicht nur eine institutionelle Präsenz, sondern auch eine klare Stellungnahme:
Förderung der Kultur der Stärke durch Forschung, Studium und Verbreitung.
SIDEA, heute ein europäischer Marktführer in der Entwicklung und Bereitstellung innovativer Fitnesslösungen, hat immer einen klaren Grundsatz verfolgt:
Die Ausrüstung ist nicht das Ziel, sondern das Mittel, um wirksame Ausbildungssysteme aufzubauen.
Aus diesem Grund ist das Engagement nicht auf die Produktentwicklung beschränkt, sondern geht darüber hinaus:
- das Studium der Methoden
- Zusammenarbeit mit Coaches und Fachleuten
- die Verbreitung von Qualitätsinhalten
Denn bei SIDEA geht es nicht nur um Ausrüstung.
Es ist die Leidenschaft für Fitness-Enthusiasten, es ist die Bewegungskultur, es ist der Wille, einen konkreten Beitrag zur Entwicklung des Sektors zu leisten
Jenseits der Debatte, auf dem Weg zu einer Synthese
Der Beitrag von Riccardo Grandi hinterlässt ein klares Bild:
Der Gegensatz zwischen Kraft und Hypertrophie ist kein wissenschaftliches, sondern ein kulturelles Problem.
Die eigentliche Frage ist nicht, was man wählen soll, sondern:
wie man ein System aufbaut, das auf Dauer funktioniert.
Und genau in dieser Richtung hat der Gipfel der Stärke seinen größten Wert gezeigt:
keine einfachen Antworten geben, sondern zu besseren Fragen anregen.

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