Am 1. Februar 2026 fand in der Stadt Cesena eine der interessantesten italienischen Initiativen statt, die sich der Wissenschaft der körperlichen Vorbereitung widmete: der Gipfel der Stärke, eine von SIDEA gesponserte Strong-First-Veranstaltung, an der Bewegungsfachleute, Sporttrainer, Forscher und Fitnessbetreiber teilnahmen.
Zu den wichtigsten Momenten des Tages gehörte der Vortrag von Dr. Marco Neri, Vizepräsident und Mitglied des wissenschaftlichen Komitees des italienischen Fitnessverbands sowie Dozent und Forscher auf dem Gebiet der Ernährungswissenschaft und Sportphysiologie. Sein Vortrag mit dem Titel “Übertraining, Erholung und Nahrungsergänzungsmittel” behandelte mit einem streng wissenschaftlichen Ansatz eines der komplexesten und oft missverstandenen Themen des modernen Trainings: die Beziehung zwischen Arbeitsbelastung, Erholung und physiologischer Anpassung.
SIDEA stand bei der Organisation, Förderung und dem Sponsoring der Initiative an vorderster Front und trug dazu bei, einen Raum für den Vergleich zwischen wissenschaftlicher Forschung und praktischer Anwendung in der Welt des körperlichen Trainings zu schaffen.
Wenn das Training zu viel wird: die Physiologie des Übertrainings
Einer der zentralen Punkte der Konferenz war die wissenschaftliche Definition von Übertraining (Übertrainingssyndrom).
Übertraining ist definiert als eine Anhäufung von Belastungen durch Training und externe Faktoren - Ernährung, Schlaf, psychologischer Stress -, die zu einer Leistungsminderung führt, die von spezifischen physiologischen und psychologischen Symptomen begleitet wird.
Dr. Neri erläuterte den grundlegenden Unterschied zwischen zwei oft verwechselten Zuständen:
- Überforderung: ein vorübergehender Zustand der Müdigkeit, der Tage oder Wochen der Erholung erfordert.
- Übertraining: ein komplexerer pathologischer Zustand, der eine monatelange Erholungsphase erfordern kann.
Das zuverlässigste Signal zur Erkennung dieses Zustands ist laut wissenschaftlicher Literatur nach wie vor der Rückgang der sportlichen Leistung, der häufig von physiologischen, immunologischen und psychologischen Signalen begleitet wird.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- chronische Müdigkeit und verlangsamte Erholung
- Verlust der Koordination und Effektivität der Bewegung
- Schlaflosigkeit und Appetitstörungen
- emotionale Instabilität und verminderte Motivation
- größere Anfälligkeit für Infektionen.
Diese Phänomene sind nicht auf den Leistungssport beschränkt: Die Forschung zeigt, wie die Anhäufung von physischem und psychischem Stress die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse aktiviert, den Cortisolspiegel erhöht und die kognitiven, immunologischen und metabolischen Funktionen verändert.
Das Hormonsystem unter Stress
Ein besonders interessanter Teil des Berichts befasste sich mit den endokrinen Auswirkungen von Übertraining.
Eine chronische Überlastung führt zu einer Veränderung des Hormonhaushalts, wobei die katabolen Hormone gegenüber den anabolen Hormonen zunehmend überwiegen. Im Einzelnen:
- Anhaltender Anstieg des Cortisolspiegels
- Verringerung des freien Testosterons
- Veränderungen der hypothalamischen Achse.
Dieses Ungleichgewicht führt zu einem Stoffwechselmilieu, das für das Muskelwachstum und die Erholung weniger günstig ist.
Dr. Neri betonte auch die Rolle bestimmter physiologischer Mediatoren, die vom Muskel selbst produziert werden, darunter:
- Irisin, beteiligt an der Regulierung des Stoffwechsels und der Knochengesundheit
- MGF (Mechano Growth Factor), eine Isoform von IGF-1, die die Muskelregeneration stimuliert.
Eine übermäßige mechanische Stimulation kann die Produktion dieser Moleküle verringern und damit die plastischen Anpassungsprozesse des Muskels einschränken.
Immunsystem, Mikrobiota und metabolischer Stress
Ein weiterer Aspekt, der sich auf der Konferenz herauskristallisierte, betraf die Auswirkungen von Übertraining auf das Immunsystem.
Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass chronische Stresszustände zu einer Verschlechterung der Lebensqualität führen können:
- Reduzierung der Immunglobuline
- erhöhte Entzündungsmarker
- erhöhtes Risiko von Infektionen der Atemwege.
Besonders interessant war der Hinweis auf die so genannte Darm-Muskel-Achse.
Jüngsten Forschungsergebnissen zufolge können übermäßiger Stress und eine suboptimale Ernährung die Darmmikrobiota verändern, was sich wiederum auf die Gesundheit auswirkt:
- Muskelproteinsynthese
- mitochondriale Funktion
- Immunregulierung.
Dies bestätigt, dass das heutige Training als Teil eines komplexen biologischen Systems betrachtet werden muss, in dem Ernährung, Erholung und Arbeitsbelastung kontinuierlich zusammenwirken.
Der Schlaf: das wahre Labor der Anpassung
Eine der stärksten Botschaften der Konferenz betraf die Bedeutung des Schlafs für die physiologische Erholung.
Während des Schlafs finden wichtige Leistungsprozesse statt:
- Freisetzung von Wachstumshormon (GH)
- Wiederherstellung der Energiereserven
- Konsolidierung des motorischen Gedächtnisses
- Verringerung der psychischen Belastung.
Eine unzureichende Schlafqualität wird nicht nur mit einer schlechteren sportlichen Leistung, sondern auch mit einem erhöhten Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Selbst einfache Strategien wie der 20- bis 40-minütige Mittagsschlaf können dazu beitragen, die Wachsamkeit, das Gedächtnis und die Reaktionsfähigkeit während des Tages zu verbessern.
HRV: der neue Indikator für den Erholungszustand
Einer der technischsten Abschnitte des Vortrags betraf die Verwendung der Herzfrequenzvariabilität (HRV) als Instrument zur Überwachung des physiologischen Zustands von Sportlern.
Die HRV misst die Variabilität der Intervalle zwischen den Herzschlägen und spiegelt das Gleichgewicht zwischen dem sympathischen und dem parasympathischen Nervensystem wider.
Hohe Werte weisen im Allgemeinen darauf hin:
- größere Fähigkeit, sich an Stress anzupassen
- bessere autonome Erholung.
Ein anhaltender Abfall der HRV kann andererseits ein frühes Anzeichen für Übertraining sein, vor allem, wenn er mit Übertraining verbunden ist:
- erhöhte Ruheherzfrequenz
- Verschlechterung des Schlafs
- Rückgang der Leistung.
Die tägliche Überwachung, integriert mit subjektiven und biologischen Parametern, ermöglicht somit eine wissenschaftlich fundierte Anpassung der Trainingsbelastung.
Die Rolle der Nahrungsergänzung
Im abschließenden Teil der Konferenz wurde das Thema Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Genesung behandelt, wiederum im Rahmen eines Konzepts, das auf angemessener Ernährung und Ruhe basiert.
Zu den genannten Strategien gehören:
Unterstützung der Muskeln
- Molkeneiweiß
- essentielle Aminosäuren
Gemeinsame Unterstützung
- Kollagen
- Vitamin C
- MSM
- Hyaluronsäure
Stressbewältigung
- Phosphatidylserin
- Adaptogene wie Ashwagandha und Rhodiola
Schlafqualität
- Magnesium
- Fußball
- Melatonin oder GABA in bestimmten Fällen.
Besondere Aufmerksamkeit wurde auch der möglichen Rolle von Probiotika bei der Modulation der Darm-Muskel-Achse gewidmet, die zur Bewältigung von systemischem Stress beiträgt.
Eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis
Der Gipfel der Stärke in Cesena hat gezeigt, wie sich die Welt des körperlichen Trainings zu einem zunehmend wissenschaftlichen und multidisziplinären Ansatz entwickelt.
Der Vortrag von Dr. Marco Neri hob ein Schlüsselkonzept hervor:
Die Leistung hängt nicht nur davon ab, wie viel Sie trainieren, sondern auch davon, wie gut Sie sich erholen können.
Training, Erholung, Ernährung und physiologische Überwachung sind heute die Säulen des modernen Trainings.
In diesem Zusammenhang hat die Rolle von SIDEA bei der Organisation und Unterstützung der Veranstaltung dazu beigetragen, den Dialog zwischen wissenschaftlicher Forschung, Technologie und praktischer Anwendung in der Welt des Fitness- und Athletiktrainings zu stärken.
Ein Dialog, der, wie dieser Gipfel gezeigt hat, einen der vielversprechendsten Wege für die Zukunft der Ausbildungswissenschaft darstellt.




